Ubuntu Phone OS betritt den Smartphonemarkt: Hat die Plattform langfristig eine Chance? [Kommentar]

Eines muss man Canonical und seinem Begründer Mark Shuttleworth zweifelsohne lassen. Er hat es mal wieder geschafft Ubuntu in den Blickpunkt weltweiten Interesses zu setzen. Nicht nur gängige Linux-Blogs berichteten von der Ankündigung einer Plattform des Ubuntu OS für Smartphones, sondern auch die großen Techblogs wie TheVerge, Engadget & Co und selbst klassische Medien wie die BBC widmeten ihrer Aufmerksamkeit dem Neuankömmling.

Ubuntu Phone OS
Als ich die Präsentation und das erste Hands-On gesehen habe, muss ich schon sagen, dass mich das System tatsächlich begeistert hat. Nicht unbedingt wegen der guten Marketingvideos, bei der man Shuttleworth gerne mal als kleinen Steve Jobs sieht, der sein Lieblingsprojekt gekonnt in Szene setzt. Eher weil die Bedienung in dem sehr frühen Prototyp tatsächlich sinnvoll erscheint und dazu schick aussieht.

Nach der Präsentation gab es natürlich direkt erste kritische Kommentare, auf die ich wetten konnte und deren Bedenken sicher nicht sofort von der Hand zu weisen sind. Viele gehen daruf ein, dass Google mit Android und Apple mit iOS den Markt bereits unter sich aufgeteilt haben und selbst die ganz großen Player wie Microsoft nur noch mühsam hinterhecheln, trotz riesigem Marketingbudget.
Logisch sind die Martkanteile der beiden riesig, dennoch glaube ich, dass ein Platz im großen Wettberb im mobilen Bereich noch frei ist. Derzeit konkurrieren massig Hersteller und Entwickler um erkennbare Marktanteile nach Android und iOS. Dabei sind auch große Namen im Geschäft, wie RIM mit ihrem BlackBerry OS 10, Samsung hat Tizen und wird dieses eventuell ebenfalls als Gegengewicht zur Android-Dominanz aufbauen wollen.

Prognose zu Marktanteilen von Smartphone-Betriebssystemen 2016
Quelle Statista

Aber selbst Mozilla ist mit Firefox OS stark an der Entwicklung und auch kleinere Softwareschmieden wie Jolla mit Sailfish OS haben erste Demos ihrer Ansätze gezeigt und HP mit webOS (jetzt openWeb OS) bewiesen, wie schnell man in dem hart umkämpften Markt scheitern kann.

Dies zeigt mir, dass der Wettbewerb gerade erst begonnen hat und ich sehe den Zug bei weitem noch nicht abgefahren, auch wenn es Canonical natürlich schwer haben wird gegen die namenhafte Konkurrenz. In einem Punkt würde ich sogar dem sehr kritischen Kommentar von PCMag zustimmen, die Ubuntu auf Smartphones keinen Erfolg bescheinigen, da ganz einfach bislang keine Hardwarepartner zur Seite stehen. Eine kritische Masse an Nutzern und damit an einer lebenden Plattform mit lukrativen Apps bekommt man nicht, wenn sich einige das OS auf ihr Smartphone flashen. Das mag im Android-Bereich noch bei einer engagierten, technik-affinen Benutzerschicht funktionieren, der Großteil ist es natürlich nicht und wird dies niemals auf eine solche Weise angehen. Ebenfalls muss sich zeigen, ob die Hersteller ein so offenes System wie Ubuntu tatsächlich dem Anwender anvertrauen, wo sie eine gewisse Kontrolle über Updates und ähnliches verlieren, wie man bei AndroidCentral anmerkt.

Man muss also dringend Smartphonehersteller dazu bewegen, Ubuntu vorinstalliert auszuliefern. Hier ist bisher Canonicals größte Schwäche. Sie sind inzwischen sehr geschickt darin ihre guten Ideen zu präsentieren und auch gehört zu werden. Bei der tatsächlichen Umsetzung mit Hardwarepartnern hat man bisher allerdings weitestgehend versagt. Weder Ubuntu für den TV, noch Ubuntu für Android gibt es bisher offiziell von einem Hersteller. Die Software bereit zu stellen ist eine Sache, jetzt muss man den nächsten Schritt gehen.

Rein von der Software und den Möglichkeiten kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man genug Leute begeistern kann. Die UI sieht gut aus, auf der Präsentation sah ich zahlreiche wichtige Apps wie Facebook, YouTube und GMail (auch wenn sie aus den von Ubuntu 12.10 bekannten Web Apps stammen und noch nicht wirklich nativ sind) und vor allem die Möglichkeit als vollwertiges OS könnten einige überzeugen. Es wäre einfach produktiver, als ein Android-Betriebssystem, wo zwar z.B. das Padphone-Konzept sehr cool und innovativ aussieht, aber für mich nicht produktiv genug ist, als wenn ich alle Programme die man auf einem Ubuntu-Desktop sonst installieren kann, nutze.

Ubuntu Phone PC

Das Verlangen nach Alternativen schätze ich bei vielen als gar nicht mal gering ein. Ich kenne z.B. viele, die Windows Phone als OS sogar recht gut finden, es aber an vielen Details fehlt, die Android einfach voraus hat. Ubuntu hat zwar keine Erfahrungen im Smartphonebereich, aber die Idee der neuen mobilen Oberfläche in Verbindung mit der gewohnten Desktop-Oberfläche und allen Programmen klingt verlockend und hat meiner Meinung nach Potential für einen guten Platz im Kampf der Smartphone OS, nicht nur bei den technisch versierten Leuten.

Ich hoffe zudem, dass sich Firefox OS mit ihren Webapps, wie auch Ubuntu gegenseitig unterstützen, da die Technologien nicht grundsätzlich verschieden sind und man die Apps auf beiden Plattformen nutzen kann, denn ohne qualitativ gute Apps hat es jede Plattform schwer Fuß zu fassen.

Große Bedenken habe ich allerdings noch bei dem angekündigten Zeitplan. Ende 2013/Anfang 2014 sollen voraussichtlich erste Ubuntu Phones erscheinen. Die Zeit von der Ankündigung bis zur Umsetzung erscheint mir viel zu lang. In der Zwischenzeit schlafen alle anderen nicht und werden sich ebenfalls gute Weiterentwicklungen ausdenken, schließlich belebt Konkurrenz enorm das Geschäft, um diese Phrase mal zu bringen. Daher muss man jetzt alles bei Canonical daran setzen, so schnell wie möglich Ergebnisse mit Herstellern zu präsentieren ansonsten verspielt man hier eine wirklich große Chance.

Patrick Meyhöfer

Ich liebe gute Software, die auf gut funktionierender Hardware läuft. Egal ob mobil oder am Desktop-OS. Früher nutzte ich fast ausschließlich Open-Source-Software, mittlerweile ist es ein Mix zwischen Mac und Linux - beide Welten haben ihre Vorzüge.

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16 Antworten

  1. 7ero sagt:

    Ich denke das Ubuntu größere Chancen als Firefox OS besitzt auf dem Smartphone.
    Allerdings bezweifel ich dass sich einer der beiden wirklich durchsetzten kann, dafür fehlt es ihnen an Innovation.

    • hogart sagt:

      Da gebe ich Ihnen recht. Ich denke persönlich das Ubuntu mehr potenzial hat. Wenn ich mir Firefox OS ansehe sehe ich eine Kopie führender mobiler OS-Betriebssysteme. Ubuntu hat was geiles mit den Gesten und den swipes und ist auch neu vom Konzept, das weder ipad/iphone noch android in der Form hat. Was meint Ihr?

  2. Andrea sagt:

    Wow endlich!! Darauf warte ich schon verdammt lange. Aber bitte: wenn Ubuntu vorinstalliert, dann bitte kein OEM!! Ich mag es nicht, wenn es mit dem Registrieren genauso läuft wie bei Microsoft!

    Aber: wenn dieses System wirklich frei ist und sich wirklich genauso bedienen lässt wie Ubuntu, dann könnte es echt was werden mit diesem System. Warum also noch Systeme von Android oder Google oder gar Apple?? Ich denke, dieses neue Ubuntu-System wird diese anderen Systeme (und ganz besonders dass von Apple) endlich vom Markt verdrängen!! Das wurde auch verdammt bitter Zeit.

    Aber eine Bitte an die Hardware-Hersteller hätte ich: bitte baut endlich Docking-Stations auch für andere Smartphones als nur für diese Apple I-Phones!! Ich hasse diese Teile!! Ich mag lieber Samsung oder LG oder auch Huawei oder HTC oder auch Sony-Ericson! Und genau dafür brauchen wir User endlich Docking-Stations!! Und um ehrlich zu sein: ich tigere schon seit Monaten duch die Tech-Märkte nach Docking-Stations für diese anderen Marken! Wo sind diese Teile?? Also ihr Entwickler: bitte kommt in der Sache mit den Docking-Stationen für die anderen Hersteller wie Samsung, LG, Huawei, HTC, Sony-Ericson endlich zu Potte!!

    • HBG sagt:

      anstatt von docking stations für andere Phones statt von apple wuerden alternativ auch schon einfache adpter reichen.
      hier ist gar nichts auf dem markt …

    • Simpo151 sagt:

      Es gibt mehr dockingstations für iphones weil sie nunmal die meistverkauften smartphones der welt sind. Logisch dass es da entsprechend zubehör gibt. Für android-phones gibt es nur wenig zubehör, da es so viele verschiedene smartphones in verschiedensten formen und größen gibt.
      Allerdings gibt es genügend adapter, da ja seit nun schon längerer zeit alle smrtphones (außer apple natürlich…) einheitlich micro usb anschlüsse verwenden.

      • Andrea sagt:

        hi Leute,

        also ich habe mich jetzt mal weiter informiert und habe im Internet doch etliche Docking-Stations auch für andere Smartphones wie etwa Samsung oder LG gefunden. Auch die Preise sind wirklich schön niedrig (zwischen 20 und 35 €). Von daher sehe ich keine Notwendigkeit, mir ein I-Phone zu kaufen. Warum denn??

        Was mich allerdings wundert ist: warum gibt es diese Teile nur im Internet und nicht in den normalen Technik-Stores?? Kann sich da einer einen Reim darauf bilden??

        • Simpo151 sagt:

          Wahrscheinlich weil die nachfrage nach diesen docking stations momentan noch einfach viel zu gering ist als dass man in jedem technik store welche auf lager halten würde. Momentan haben die einfach noch keinen nutzen oder laden einfach nur das handy oder sind gleichzeitig noch boxen.
          Aber das wird sich mit ubuntu phone ja wahrscheinlich schon bald ziemlich ändern, ich freu mich drauf 🙂

          • Andrea sagt:

            hi Simpo151,

            genau dass ist ja der Sinn und Zweck, dass ich diese Teile einerseits als Stromladefunktion und Abstellplatz nutzen will als auch als Soundbox. Genau darum geht es mir ja. Nur: ich werd mir halt eben kein I-Phone mit sowas anschaffen, sondern es wird ein Teil von der Konkurrenz werden.

            Apple kann von mir aus mal in den Papierkorb wandern. Deren Aktien sind derzeit sowieso auf Talfahrt. Nur vollkommen richtig so. 😀

    • holara sagt:

      Die iphones verkaufen sich halt mal am besten, deshalb gibt es dort das meiste Zubehör. Apple schaft es einfach auch besser Drittanbieter anzuheuern, während Samsung den Markt mit quantität und verschiedenen Anschlüssen und Formen überrumpelt. Klar das sich da Drittanbieter mit Docking-Stations schwer tun….

  3. Stephan sagt:

    Also bei und in der schweiz gibts zahlreiche docking stationen mit mini-usb statt die für apple.
    Zwar nicht so viele aber einige…

    Ich denke Apple hat sich da selber etwas kaput gemacht mit dem neuem anschluss… aber selber schuld

    Und was Ubuntu OS angeht:
    Es wird wahrscheinlich wie die Desktop version ein Betriebssystem sein, welches ab und zu mal gebraucht wird, den Markt jedoch niemals einnehmen wird.

    • Andrea sagt:

      hi Stephan,

      wie bitte?? Das Ubuntu-OS für Smartphones soll vom Markt nicht angenommen werden? Da täuscht du dich aber gewaltig. Schau mal bei den Ubuntuusers im Forum vorbei, wie viele User da schon darauf warten oder bei den LinuxMint-Users oder in anderen Mint-Foren.

      Da wartet die Kundschaft schon drauf. Und dem schließe ich mich übrigens an! Ich warte genau deswegen mit dem Kauf eines Smartphones, weil ich dieses Ubuntu-OS für Smartphones haben will.

      Denn das schöne ist: es ist total kompatibel zu LinuxMint, das auf Ubuntu basiert und so kann ich alle files dann zwischen meinen System schön hin und her schieben…. Das ist ja das schöne an der schönen neuen Welt. Außerdem kann ich – wenn ich dass dann möchte – meine Files via Dropbox und via Wuala und Tinypic und sowas weiterverteilen, ohne dass da meine Daten irgendwie in Gefahr sind.

      Dagegen verzichte ich freiwillig auf solche Sachen wie Instagramm oder Facebook oder sowas. Wer braucht sowas?? Niemand, um ehrlich zu sein. Für sowas gibt’s schließlich jabber!!

  4. Roger sagt:

    Hallo Zusammen

    Das Problem der fehlenden DockStations sind nicht die OS, (warum auch)
    sondern die X-hundert verschiedenen Geräte, die fast bei jedem Modell einen
    neuen (Mini Mico USB….) Anschluss bekommen und dieser wiederum, oben rechts, unten mittig, links oben…. oder je nach gutdünken platziert ist.

    Solange die Hersteller nicht einmal bei den eigenen Modellen eine Konztante hinbekommen, wie soll dann ein Dockhersteller die Teile bauen?
    Das hat Apple, bei aller Abneigung meinerseits, klares Lob verdient.
    Ok, auch Apple brauch neue Einnahmen und hat seit IPone 5 die Anschlüsse wieder gändert… 🙂

    @Andrea
    Du kannst deine „Daten“ auch jetzt schon Problemlos mit AndroidPhones hinundher
    schieben, dazu mussst du nicht warten. Selbst Win/Ubuntu/LinuxMint/Debian Server/Client, auch mit DropBox/Box.Net/Wuala…etc, ja auch Windows/Linux Shares…..alles kein Problem…

  5. Andrea sagt:

    hi Roger,

    gerade wil ich bereits Dropbox, RetroShare und Wuala nutze, möchte ich ja sowas. Ich hab mich heute schon mal wieder umgetan nach so einem geilen Teil. Und ich hab auch ein Gerät gefunden, dass mir gefallen würde. Nur kleiner Wermutstropfen: die vorinstallierte Android-Version ist bereits total veraltet und angeblich kann man bei den vorinstallierten Systemen nicht auf die neueste aktuellste Version upgraden. Deswegen warte ich freiwillig, bis ich dieses freie System kriege, wo ich jederzeit upgraden kann und dass ohne Probleme.

    Und zu deinre Information: ich nutze LinuxMint 14 bereits. Und ich will eben zum Beispiel Daten von meiner Dropbox auf mein Smartphone draufspielen können und von meinem Smartphone frische neue Sachen auf meine Dropbox und auf meine Wuala-box auspielen können und sowas.

    Ich mag an diesen neuen Geräten ganz besonders die Kamera-Funktion, weil sich solche Bilder auch super als Wallpaper verarbeiten lassen, wenn man die entsprechenden Programme installiert hat. In Windows nutze ich XnView und in LinuxMint nutze ich fspot oder Gimp.

    Grüße
    Andrea

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