Neben dem gestrigen Release von Ubuntu 12.10 gab es eine interessante Ankündigung von Mark Shuttleworth, die bisher wenig beachtet wurde, jedoch eine größere Änderung mit sich bringt. Er beschreibt in seinem Beitrag, dass wir in Ubuntu 13.04 einige Neuerungen mit Überraschungseffekt (er nennt sie nur “mit großem tada!”) erleben werden. Diese sollen aber so lange geheim bleiben, bis man der Meinung ist, dass sie soweit sind einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen.
Das Modell ähnelt zukünftig eher dem von Google geleiteten Projekt Android. Das System selbst ist Open-Source, wird aber zunächst im geheimen entwickelt bis die neuen Funktionen in einem größeren Event der Öffentlichkeit präsentiert werden. Im Allgemeinen kann ich wenig dagegen einwenden, es ist ein legitimer Ansatz, dass nicht alles in der Luft zerrissen wird, bevor man ein fertiges Programm zeigen kann. Dennoch sehe ich das Vorhaben etwas kritisch, da man früher die Pläne sehr offen mit der Community diskutiert hat. Inzwischen ist Shuttleworth sehr darauf bedacht, ein möglichst großes Medienecho zu bekommen. Dies merkt man alleine an dem gestern kurz zu sehenden Slogan: “Avoid the pain of Windows 8″ auf der offiziellen Ubuntu Seite.
Inzwischen ist der Slogan ausgetauscht, da sich wohl viele über diese vergleichende und unnötige Werbung beschwert haben. Dennoch ging das Bild natürlich in allen sozialen Netzwerken umher.
Man versammelt einige vertrauenswürdige Mitglieder, denen man die Funktionen zeigt und ihre Erfahrungen mit einbezieht. Scheinbar ist Shuttlewoth es leid, als er extrem viel Kritik mit der Shopping-Lense einstecken musste, die er allerdings auch schon in einem sehr späten Entwicklungsstadium präsentierte. Er rechtfertigt auf Techcrunch, dass dieses Vorgehen ganz normal auch für andere Open-Source-Projekte sei, in dem ein Entwickler eine lange Zeit an etwas gearbeitet hat, bevor er endgültig vorstellt.
Ich kann die Maßnahme verstehen, Google arbeitet schon lange mit ihren Projekten so, denke aber dass sich Canonical mehr und mehr von dem klassischen Community-Prinzip verabschiedet, bei denen ihnen zu viele scheinbar reinreden, um gerade gegen Microsoft im Desktop (und mobilen Sektor) zu konkurrieren.
In einem nachgeschobenen Beitrag von heute reagierte Shuttleworth recht erbost, dass man Ubuntu nun vorwerfe weniger offen zu sein, sondern dass man stattdessen mehr Offenheit gewinnt. Diese Einschätzung kann ich allerdings nicht teilen.

Pingback: Ubuntu 12.10 ist da