Kommentar: Ubuntu treibt Kommerzialisierung voran und erntet weltweite Kritik

Es war wohl das Thema der letzten Woche. Ubuntu blendet ab der nächsten Version 12.10 standardmäßig in der  Home – Lense  passende Suchergebnisse des Online-Riesen Amazon ein.

Auf der Mailing-Liste verkündete Olli Ries (technischer Direktor bei Canonical) :
“Another addition is that we will be including Launcher web apps icons to Amazon and the Ubuntu One Music Store by default. We feel that these icons will provide convenient access to these resources for our users and also benefit the project with the generation of affiliate revenue in those cases that these resources are used. If our users choose to not
use these Launcher icons, they can be easily removed by the user by
dragging the icon to the trash.”

Der Aufschrei der weltweiten Gemeinschaft ließ nicht lange auf sich warten. Schnell nahmen die großen Blogs, wie z.B. OMG Ubuntu das Thema auf, ebenso gab es eine große Reihe an Kommentaren bei Reddit , im Ubuntuusers – Planeten und vielen weiteren Quellen.

Was sind nun die größten Kritikpunkte an einer fortschreitenden Kommerzialisierung, wie die meisten die Integration der Amazon-Suchergebnisse werten:

  • kein Community-Wunsch, sondern vom SABDFL Mark Shuttlewort (wie man bei Jan Wildeboer lesen konnte) aufoktroyiert, um der Gewinnseite endlich näher zu kommen
  • Ubuntu ist nun werbefinanziert
  • Verletzung der Privatsphäre der Benutzer (Übertragung von lokalen Suchen an entfernte Server)
  • Standardmäßig integriert, Benutzer werden nicht gefragt (bevorzugt Opt-in statt Opt-out, eventuell direkt bei der Installation)

Da sich das Thema sehr schnell verbreitete, hat sich wohl auch Shuttlewort genötigt gesehen, einige Sachen klar zu stellen. In einem kurzen Frage-Antwort Beitrag geht er auf die meisten der oberen Kritiken ein. Zunächst stellt er klar, dass Ubuntu keine Werbung ausliefert, sondern lediglich passende Suchergebnisse anzeigt. Er erklärt, dass in Zukunft weitere Dienste hinzukommen sollen, Amazon ist nur der erste Schritt. Die Daten werden auch nicht direkt an Amazon ausgeliefert sondern erst über eine API bei Ubuntu gesammelt und dann durchgereicht, was die Privatsphäre der Benutzer schützen soll. Ebenfalls rechtfertigt er im Beitrag und in den Kommentaren, dass die Home-Linse eben eine globale Suche sein soll, die lokale Ergebnisse und das Internet mit einbezieht. Wer nach Applikationen sucht, könne ja direkt Super + A bzw Super + F für Dateien wählen, um lokal zu bleiben. Shuttleworth gesteht durchaus ein, dass die Integration noch am Anfang ist und man sich weiter verbessern muss. Er vertritt aber den Standpunkt zunächst etwas vorzulegen, die Meinung der Benutzer einzuholen und dann zu schauen, welche Punkte es zu verbessern gilt. Positiv ist, dass er bekräftigt das der Benutzer diese Funktion selbst kontrollieren kann.

Soweit zum aktuellen Stand. Ich möchte die Probleme und Chancen aus meiner Sicht jedoch einmal wiedergeben.

Persönlich sehe ich keinen Grund, um wieder einmal den Aufstand zu proben, sobald man versucht mit Ubuntu oder jedem anderen freien Produkt Geld zu verdienen. Die Diskussion wird ständig geführt, viele sind sehr unzufrieden, wenn Sie befürchten, dass Ihr Einfluss schwindet, man nicht mehr auf die Community hört, obwohl man sehr stark von den Entwicklungen von Debian und viele Jahre zu Beginn profitiert hat. Dennoch muss man Canonical zu Gute halten, dass Sie eine bestimmte Vision für den Linux-Desktop besitzen, den sie auch strikt verfolgen (man denke nur an den Nummer 1 Bug). Sie führen Designstudien durch, beschäftigen viele Entwickler, stehen in engem Kontakt mit Hardwarepartnern und kommen mit neuen oder veränderten Konzepten, was man so vorher nicht kannte. Unity, HUD, Ubuntu for Android, Ubuntu für den TV, Ubuntu Web Apps. Man kann hier sicher vieles auch zu Recht kritisieren, aber Fakt bleibt wohl, dass Ubuntu die größten Nutzerschichten besitzt, um einen freien Linux-Desktop voranzubringen, privat und auch im Geschäftsumfeld.
Daher steht es Ihnen meiner Meinung nach auch zu, über einen einfachen Amazon – Link einen Teil der Kosten für Weiterentwicklung, Infrastruktur etc. einzuholen.

Die Durchführung selbst ist allerdings als zweifelhaft anzusehen, zumindest in der bisherigen Gestaltung. Ubuntu hat sich eine recht positive Marke verschafft, zumindest bei den meisten, als gute und stabile Distribution, der man vertrauen kann. Allein durch die Bedenken bei der Privatsphäre, könnte hier jedoch ein bleibender Schaden entstehen. Der Nutzer wird zuerst bevormundet und bekommt zunächst nicht mit, dass Ergebnisse an fremde Server übertragen werden, sobald er in Unity in der Standard-Home-Linse etwas sucht. Zumindest in Europa könnte dies bei Prinzipien des Datenschutzes für Kritik sorgen. Hier wäre definitiv ein Opt-in angebracht, der Benutzer sollte bei Installation oder nach Start des Desktops gefragt werden, ob er diese Funktion aktivieren möchte.
Was zudem Sorgen bereitet ist, dass man Plain-Text an die API sendet. Ein Beispielaufruf sieht z.B. folgendermaßen aus:
http://productsearch.ubuntu.com/v1/search?q=ubuntu.Man nutzt keine Verschlüsselung über TLS/SSL, ein hypothetischer Man in the Middle Angriff kann somit auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Im Jahr 2012 sollte man dies zwingend in der ersten Version der Auslieferung integriert haben. Wer einen Blick in den überschaubaren Quellcode bekommen möchte, sollte dies durchaus einmal tun, wie üblich bei Launchpad zu finden. Jeder etwas erfahrene Benutzer wird die Funktion mittels:

sudo apt-get remove unity-lens-shopping

einfach entfernen können, jedoch sollte man hier einen einfachen Menüeintrag zum aktivieren bieten. Mit diesen Maßnahmen würde man ernste Bemühungen zeigen, dass man die Bedenken ernst nimmt. Ebenso schnell haben sich auch einige bei Launchpad engagiert und sich über die mangelnde Sicherheit beklagt.

Ausblick

Es wird sicher auch weiterhin viel Kritik bei solchen Vorhaben geben, man braucht sich nur die Bedenken gegen Amazon als Konzern von Richard Stallman durchlesen.  Die folgenden Worte mögen jetzt hart klingen, aber niemand ist gezwungen Ubuntu mit Unity als Distribution einzusetzen. Die Freiheit jede Desktopumgebung, jede Distribution zu nutzen, die man für richtig hält, macht für mich die Stärke mit freier Software aus. Jeder kann das wählen, womit er glücklich wird. Wer den Weg nicht richtig hält, darf auch explizit konstruktiv kritisieren, sollte aber akzeptieren, dass man wohl den eingeschlagenen Weg von Ubuntu nicht verändern wird, sondern lediglich an der Verbesserung mitarbeiten kann. Die Kommunikation seitens von Canonical und Shuttleworth, insbesondere mit dem jetzigen Blogbeitrag, ist allerdings verbesserungswürdig. Es wirkt zu sehr von oben herab, hier darf man auch nicht alle alten Benutzer verprellen, man ist auf diese ebenso angewiesen, wie auf kommerzielle Unterstützung.

Der Wandel im Desktop-Bereich schreitet schnell voran. Bisher muss man konstatieren, dass alle bisherigen Ergebnisse der anderen wie Red Hat zwar wirtschaftlich erfolgreich waren, allerdings vorwiegend im Server und Business-Umfeld. Der Desktop ist eine Nische geblieben, daher sollte man Canonical versuchen lassen, ihre Vision umzusetzen. Ob sie gelingt steht auf einem anderen Blatt. Die Zeit droht abzulaufen, der Bereich im mobilen Markt, wo Linux sehr erfolgreich mit Android ist, wird immer größer. Wir sehen mehr und mehr Ultrabooks, die relativ bescheiden von den Hardwareherstellern unterstützt werden. Der Wechsel vom klassischen Lizenzmodell zu App-Stores hat längst begonnen, Cloud-basierte Dienste dominieren mehr und mehr. Niemand kann hier seriöse Zeiten vorhersagen, aber es scheint recht sicher, dass wir vor großen Umbrüchen stehen, die den Linux-Desktop und freie Software in diesem Punkt bedrohen. Auf diese Fragen sehe ich nur bei Canonical mit Ubuntu eine mögliche Antwort mit neuen Wegen, selbst Microsoft wagt hier deutlich mehr mit Windows 8. Daher wirkt es vielleicht zunächst suspekt, aber sofern man auch in Zukunft moderne und nach wie vor freie Software haben möchte, sollte man nicht alles verteufeln, welches alte Modelle über Bord wirft oder einen kommerziellen Sponsor besitzt, sondern selbst aktiv mitwirkt. Entweder bei Ubuntu oder bei anderen Projekten wie Gnome 3, die auch viel Kritik mit ihrem neuen Weg bekamen.

Patrick Meyhöfer

Ich liebe gute Software, die auf gut funktionierender Hardware läuft. Egal ob mobil oder am Desktop-OS. Früher nutzte ich fast ausschließlich Open-Source-Software, mittlerweile ist es ein Mix zwischen Mac und Linux - beide Welten haben ihre Vorzüge.

Das könnte auch interessant sein...

27 Antworten

  1. unity-lens-shopping macht im wesentlichen das gleiche wie der schon seit Oneiric stndardmäßig installierte unity-scope-musicstores, nur halt nicht mit Musik. Warum ist das jetzt plötzlich ein Problem?

  2. Jürgen sagt:

    Natürlich wollen die Geld verdienen – und das dürfen sie auch. Prinzipiell habe ich auch nichts dagegen, man muss nur aufpassen, dass es nicht überhand nimmt. Bei der Suche (und es wird lokal nichts gefunden) Amazon-Angebote einzublenden halte ich für legitim. Schlimm wird es, wenn sie anfangen würden, gleich beim Startbildschirm ein fettes Popup mit Werbung zu zeigen. Alles in Maßen – dann finde ich das schon in Ordnung.

    Wem es nicht passt – er hat gefühlte 1000 Distributionen, auf die er wechseln kann – auch mit Ubuntu Basis.

  3. Jürgen sagt:

    Ach, was ich vergessen habe: Mich stört die Werbung weniger, als dass Canonical einen für dumm verkaufen möchte. Sollen sie halt ehrlich sagen, dass es um die Kohle geht und nicht dass Um-den-heißen-Brei-Getratsche: „Es ist ein Mehrwert für den Anwender“ – „es ist zu Eurem Besten“

    Ich fühle mich eher durch solche Dummschwätzer-Aktionen auf den Schlipps getreten als wenn die sagen würden: Die Werbung springt Euch nicht ins Gesicht, aber sollte jemand ein Angebot interessant finden, haben wir auch was davon – echt kein Problem damit.

    • Max sagt:

      Genau das ist auch meine Meinung, einfach mehr Transparenz zeigen und den Menschen erklären was gemacht wird, dann passt das schon.

      Alternative gibt es doch immer noch genug, wer damit nicht leben kann.

  4. storminator sagt:

    Stimme ich dir vollkommen zu Jürgen! Die Kommunikationspolitik ist stark verbesserungswürdig, inzwischen hat sich Jono Bacon zu Wort gemeldet, der weit unten mal klarer Stellung zum Geld verdienen bezieht:
    http://www.jonobacon.org/2012/09/23/on-the-recent-dash-improvements/

  5. Christian sagt:

    Der Kommentar kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein.
    Linux stand und steht für mich für eine völlig Unabhängigkeit von irgendwelchen Firmen oder Werbungen. Das Pfund, das ich in Waagschale geworfen habe, andere zur Nutzung der freien Software zu animieren war die Unabhängigkeit von den Machern der Welt. Nun wird ausgerechnet von der Linuxgemeinde in das gleiche Horn gestoßen? Kaum, dass ein System mal einigermaßen vertretbar Nutzbar ist, kommt der kommerzielle Gedanke ins Spiel oder ist es das einvernehmliche Haschen nach Aufmerksamkeit in der Bloggerwelt?
    Vielleicht gehöre ich noch einer Generation an, der es einfach unverständlich ist, meine Aktivitäten ganz persönlicher Art, – auch wenn sie angeblich vorgefiltert werden – mit irgendjemanden teilen zu wollen. Ich verweiger Twitter, Facebook und Konsorten aus gutem Grund. Ebenso habe ich mich zu Linux – Ubuntu – entschlossen, weil meine Daten auch meine Daten sein sollen. Nun kommt ein Schritt nach dem Anderen, mit dem alles wieder aufgeweicht werden soll.
    Die Erfahrung über die Jahre zeigt überdeutlich, wenn Daten da sind, werden die auch genutzt. Mit oder ohne Einverständnis.
    Nein, dies ist schon der letzte Grund, meine Empfehlungen in Richtung Ubuntu für alle Bekannte und Freunde zu revidieren.
    (Gleich nach Unity und den sonstigen Bevormundungen)
    Es hat hier nichts mehr mit einer OpenSource Software zu tun, wie ich es verstehe. Hier wird Diktatorisch was vorgesetzt. Ich hoffe inständig, dass die frustrierten Programmierer, die ewig das System zum Laufen brachten, sich nicht gänzlich abwenden sondern in den verbleibenden Distris sich wiederfinden, in den nicht ein Einzelner seine Marktstellung und Macht auspielen will.

    Und von deiner Meinung bin ich ehrlich gesagt erschüttert. Dann kann man doch gleich Windows nutzen und sich dem Diktat der Datenkraken beugen.

    • Christoph sagt:

      Hallo Christian

      „Linux stand und steht für mich für eine völlig Unabhängigkeit von irgendwelchen Firmen oder Werbungen.“

      Das gilt für Linux, aber nicht für Ubuntu. Ubuntu ist vom Start weg abhängig von Canonical. Ist ja auch logisch, Ubuntu ist das von Canonical entwickelte und vertriebene System.

      „Kaum, dass ein System mal einigermaßen vertretbar Nutzbar ist, kommt der kommerzielle Gedanke ins Spiel“

      Der Gedanke war von Beginn an da. Canonical ist ein Unternehmen, dass über kurz oder lang Gewinne abwerfen soll.

      Grüße
      Christoph

    • storminator sagt:

      Ich bin froh über deine konträre Meinung. Allerdings meine ich ich den Blogbeitrag genauso, wie ich ihn geschrieben habe.
      Eine Open-Source Software ist es weiterhin. Man kann den Quellcode (habe ich ja im Beitrag verlinkt und gezeigt) einsehen und wie auch erwähnt komplett entfernen.

      Wenn du von Ubuntu enttäuscht bist und es nicht weiterempfehlen willst, dann ist es dein gutes und völlig legitimes Recht. Du kannst auf eine Ubuntu basierte Distribution wechseln, auf andere Desktopumgebungen, du hast die komplette Freiheit.

      Ich finde die Änderungen legitim, die Kommunikation und die Umsetzung ist verbesserungswürdig, aber ich halte den Grundgedanken für notwendig.

    • Marco sagt:

      Open-Source bedeutet aus meiner Sicht nicht unkommerziell. Gerade der Linux-Kernel ist das beste Beispiel. Die Top-Committer arbeiten alle hauptberuflich am Kernel. Und das machen sie, weil Firmen Geld mit Linux verdienen – aus keinem anderen Grund.

      Open-Source bedeutet nur: man kann den Quellcode einsehen und damit machen was man will – im idealfall, muss man ihn wieder teilen.

  6. Pinguin im Tank sagt:

    Ich weiß gar nicht wo das Problem ist, einfach deinstallieren diesen Kram und gut. So mach ich das schon immer, da fliegen Dienste runter die ich nicht will und nutze. Oder einfach einen anderen Desktop wo dieser Kram nicht dabei ist, sollte doch einfach zu regeln gehen, die Auswahl ist doch zahlreich vorhanden. Das „Canonical“ damit versucht Geld zu verdienen verstehe ich durchaus, das ist auch legitim. Denn die (Cannonical) Bezahl(t)en bisher (und hoffentlich künftig) auch alles was mit Ubuntu + Kosten irgendwie zu tun hat. Seid froh das es das mit Ubuntu so gibt. Schaut bei anderen Projekten wie openSUSE, Mageia usw rein, da kann man sehen wie es läuft wenn man zwar „frei von Kommerz und offen für jeden“ versucht zu sein, aber dafür dauernd das Schwert des Untergangs über einem schwebt. Entweder weil das Geld für anfallende Kosten oder die User/Entwickler/Paketbetreuuer für eine funktionierende Community die eine Distribution auf die Beine stellen sollen fehlen oder beides zusammen. Die Zeiten sind vorbei wo „frei und unabhängig“ Gesetzt von freier und quell offener Software war. Wenn es die je gab, sieht man bei vielen Projekten wo es hinführt. So traurig es ist, der schnöde Mammon ist nun mal nötig. Man ist dem Markt genauso unterworfen wie alle anderen auch. Will man Fuß fassen und den Desktop neben Apple und M$ irgendwie platzieren, geht es ohne Kohle eben nicht. Und ein dauerndes Nischendasein will man mit Ubuntu verständlicherweise nicht, da gibt es schon genug die diesen „Part“ übernehmen. Solange man Ubuntu kostenlos nutzen und weitergeben kann, ist man weit weg von Windows und Apple. Daran wird sich auch nichts ändern, und wenn doch wird die Community dem Mäzen schon die Richtung geben, dessen bin ich mir sicher.

  7. volRot sagt:

    Hallo,

    nur eine Bemerkung möchte ich hier schreiben.
    Alle Reden von Privatsphäre nur interessiert das die Mehrheit garnicht man schaue mal in den sogenannten SozialeNetzwerk, brauchts Du info zu einer Person dann schaue auf Facebook und Co.

    Wenn sich hier also jemand beklagt das er keine Privatsphäre hat, sorry der Indianer sagt:Weiser Mann spricht mit gespaltener Zunge. Nur meine Meinung.
    Gruß

  8. Klaus sagt:

    Also ich die Suchfunktion in Ordnung, allerdings sollte der Anwender bei der Installation gefragt werden, ob er diese Dienste nutzen möchte. Ungefragte ‚Zustellung‘ von Werbung ist eine Frechheit, unbemerktes Senden von Suchanfragen ins Internet absoluter Humbug.
    Da meine derzeit etwa 300 Kunden überwiegend ohnehin nicht Unity verwenden ist mir das Ganze aber relativ gleichgültig, solange es Alternativen gibt.

  9. kar sagt:

    Hallo,

    habe schon diverse Blogbeiträge zu diesem Thema gelesen, aber im Nachhinein hatte ich immer das Gefühl, dass die Schreiberlinge einfach nur weiterhin in ihrer kleinen und begrenzten Welt leben wollen und nicht bereit sind, mal über den Tellerrand zu schauen.

    Aber dein Blogbeitrag hier könnte auch aus meiner Feder stammen und entspricht auch meiner Sichtweise. OpenSource bedeutet ja nicht kostenlos und ohne Werbung, sondern es bedeutet „lediglich“, dass jeder den Quellcode verwenden kann wie er es beliebt solange er/sie sich an die Lizenzen hält.

    Canonical macht hier aber dennoch einen sehr radikalen Schritt, aber prinzipiell finde ich es nicht verkehrt auch wenn die Umsetzung noch nicht 100%ig durchdacht zu sein scheint, denn es darf wirklich nicht sein, dass man bei einer Offline-Suche suchspezifische Werbung erhält. Aber ich denke, dass Canonical genau weiß, was sie da der Community zumuten und ich denke, dass das nicht ohne Hintergedanken auf diese radikale Art und Weise geschieht. Sie wollen die Community „abchecken“, wie weit sie gehen können.

    Letztlich will ich noch anmerken, dass ich kein Problem mit Werbung an sich habe, aber es muss eine klare Grenze zwischen lokalen Aktivitäten bzw. Offline-Arbeiten und Internet geben. Es dürfen keine Offline-Daten ins Internet geschickt werden. Wenn Canonical das beherzigt, dann denke ich, dass auch die alteingesessene Nutzerschaft zufrieden gestellt ist.

    Zudem will ich noch erwähnen, das ich selber auch kein Problem damit habe für Software Geld auszugeben. Ich werde mir angucken, in welche Richtung sich Canonical entwickelt und wie sie aus Ubuntu Geld „generieren“ wollen und werde dann entsprechend handeln. Prinzipiell finde ich aber Unity sehr gut und sie gefällt mir mit jeder neuenj Version auch immer besser. Außerdem finde ich, dass Canonical mit Unity die richtige Richtung eingeschlagen hat. Hingegen kann ich mich mit der Gnome-Shell ganz und gar nicht anfreunden.

    • storminator sagt:

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Bin ich zumindest nicht ganz alleine mit meiner Meinung, auch wenn man durchaus weiterhin den Prozess hinter Ubuntu kritisch betrachten sollte.

      Mir gefällt ebenso Unity besser als die Gnome-Shell, aber wie so vieles ist das auch Geschmackssache und zum Glück kann ja jeder Ubuntu als Basis nutzen und sich darauf installieren, was er möchte.

  10. k1l sagt:

    Hallo,

    erstmal Danke für deinen Blogeintrag. Gut das es noch Blogger gibt, die nicht sofort auf den „WIR WERDEN ALLE STÖÖÖÖRBEN!“-Zug aufspringen.
    Oftmals werden bei Themen wie diesem Emotionen und Verschwörungen hochgekocht, meist aus reinem Unwissen.

    Mir kommt es so vor als wenn ein Hauptteil der Empörung eher aus der Tradition „gegen Unity zu sein“ und einer falschen Auffassung von Open-Source kommt.
    Die wirklichen technischen Bedenken z.B. keine SSL Verschlüsselung werden da kaum genannt.

    Das Märchen des Millionärs, der uns ein Leben lang ein Linux bezahlt wird leider kein Happy-End haben. Das sollte man sich mal klar machen, bevor man dadrüber urteilt ob eine Linux-Distribution nach Einnahmequellen sucht. Man könnte es auch eher so sehen, dass man bei einem Amazon-Kauf diese Möglichkeit nutzt um Ubuntu damit zu unterstützen! Bei Rhythmbox war diese Möglichkeit als Sehr Gut benotet, aber Ubuntu steht das nicht zu?

    Technisch ist das noch nicht ausgereift (SSL, Deinstalltion vs Abstellen, Opt-in vs Opt-out) und ich selbst werde sie auch sicher erstmal abstellen. Aber ich bin gespannt wie sich die Dash entwickelt.

  11. jacky77 sagt:

    Danke für diesen guten Kommentar!! Ich denke ebenfalls, dass es in naher Zukunft um den Fortbestand des Linux-Desktop an sich gehen könnte und wir (Linux-Benutzer) ein starkes Ubuntu/Canonical benötigen.

  12. Mike sagt:

    Hallo Liebe Leute …

    also ich finde es grauenhaft, das jede *Spyware* heute als Fortschritt hoch gelobt wird! Mir geht das Ganze schon lange zu weit. Ich als beruflicher Win-Admin überlege seit längerem, im privatem Umfeld, auf Linux zu wechseln, da ich mit der ganzen Loggerei und User-Profilisierung/Auswertung einfach nicht einverstanden sein kann.
    Und jetzt diese *Hiobs-Botschaft* …

    Wann werden die Leute endlich wach und begreifen das div. Online-Plattformen auf keinem Falle ihnen dienen, sondern einzig und alleine den Zweck haben, möglichst viel über den Einzelnen zu erfahren, um damit Geld zu verdienen …

    Linux sollte weiterhin mit Sicherheit und Privatsphäre punkten aber nicht mit solchen Sachen!
    Wenn ich ein buch kaufen will, finde ich selbst zu Amazon und co. …

  13. Unixa sagt:

    Es ist eben nur die Frage, will man weiter das Linux ein Bastel-Opjekt für esoterische Bash – Kundige bleibt, für die C & C++ wie Kaffee ist ?

    Oder will man Lunux einer Weltweiten Gemeinde öffnen, die keiner Programmiersprache mächtig ist?
    Will man weiter, moderne USB oder sonst. Karten, mit notdürftig zurechtgebastelnen GNU Treibern betreiben? Mr. Debian, Herr Murdock schreibt auf seiner Webseite: “ Wenn schon ein propitärer Treiber installiert wird , ist das System schon verdorben.

    Je populärer und verbreiteter Linux wird, um so mher Harware wird mit org. Linux Treibern angeboten und geliefert. Die Münze hat eben 2 Seiten.
    Daher sehe ich dass ganze recht gelassen.

  14. tuxlike sagt:

    Gerade für Anfänger ist Linux Mint (Mate) eine gute Alternative.
    Ich benutze als ganz sicher nicht Anfänger ein stark angepasstes Mint.

    Bis auf die Debian-Version basiert es übrigens auf Ubuntu, ist aber ohne Werbung.

  1. 24. September 2012

    […] kann das neue Feature nun als Nutzer von Ubuntu sehen wie man will, Patrick hat die wichtigsten Argumente in seinem Blog schon toll zusammengefasst, doch ich sehe noch ein paar weitere Probleme die hier […]

  2. 24. September 2012

    […] Mittlerweile gibt es doch vermehrt kritische Stimmen. Patrick Meyhöfer kritisiert die Bevormundung der Nutzer bei der Entscheidung und einen Eingriff in die […]

  3. 26. September 2012

    […] guten Kommentar zu dem Thema gibt es im Blog von Patrick Meyhöfer, hier werden auch die Kritikpunkte schön […]

  4. 26. September 2012

    […] in Ubuntu 12.10 mit Unity heftig entladen hat, beginnt nun recht schnell die Ausbesserung einiger Kritikpunkte, die ich ja bereits vor ein paar Tagen ausführlich aufgezeigt […]

  5. 18. Oktober 2012

    […] Einführung der Amazon-Shopping-Linse, die zu Beginn äußerst ungünstig kommuniziert und auf Verlangen von Shuttleworth kurzfristig in […]

  6. 2. Juli 2013

    […] Mittlerweile gibt es doch vermehrt kritische Stimmen. Patrick Meyhöfer kritisiert die Bevormundung der Nutzer bei der Entscheidung und einen Eingriff in die […]

  7. 12. Dezember 2013

    […] mit dieser Funktion nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Beispielsweise bekam Canonical mit der Integration von Amazon Affiliate-Links ordentlich Kritik zu spüren. Wer sich also diesbezüglich nicht wohl fühlt kann aber einfach in […]

  8. 6. September 2015

    […] Open Source war für mich immer spannend. Es hat sich viel getan, es gab kontroverse Diskussionen (Integration von Amazon in der Suche bei Ubuntu), umstrittene aber spannende Neuerungen um Ubuntu (vor allem Unity), zum Schluss die Konzentration […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *