Gnome 3.6 – Welche Neuerungen erwarten uns?

Gnome ist trotz der vielfältigen Alternativen unter Linux mit KDE, Xfce, LXDE oder enlightenment eine der beliebtesten Desktop-Umgebung. Auch wenn Ubuntu mit Unity in der Standardauslieferung auf Gnome verzichtet, sollte man die Entwicklung von Gnome im Auge behalten, denn es erwarten einen spannende neue Funktionen mit der nächsten Hauptversion 3.6, die Ende September diesen Jahres veröffentlicht wird.

Überarbeitung der Benachrichtigungen

Die Benachrichtigungen, wie man sie unter allen Desktop-Systemen kennt, wurden massiv überarbeitet. Im Screenshot erkennt man, dass sie an den unteren Rand gewandert sind und man auch direkt bei bestimmten Nachrichten reagieren kann. Bekommt man z.B. eine Nachricht über euer Chatprogramm, kann man direkt darauf antworten, oder bei einer Musikwiedergabe direkt zum nächsten Titel springen, pausieren, etc. Standardmäßig sind sie im Hintergrund und werden nur eingeblendet, wenn man die Maus an den unteren Bildschirmrand bewegt, wodurch der übrige Bildschirminhalt nach oben rückt. Es findet also keine Überlappung statt.

Verbesserte Aktivitätenübersicht

Mit einem neuen Gitter-Button kann man schneller zwischen Anwendungen wechseln. Zudem wurde die Suchleiste mehr in den Vordergrund gerückt. Mit der deutlich größeren und mehr zentrierten Suche soll dies die Eingabe erleichtern und somit die Benutzerfreundlichkeit steigern.

Neue Oberfläche für den Sperrbildschirm

Der Sperrbildschirm wurde komplett überarbeitet um dem Benutzer mehr Informationen bieten zu können, als lediglich die üblichen Möglichkeiten zum Entsperren, Wechseln des Benutzers etc. Man sieht am Screenshot, dass aktuelle Uhrzeit und Datum hinzugefügt worden. Jedoch gibt es weitere Möglichkeiten:

  • Pausieren, überspringen der Audiowiedergabe, falls diese im Hintergrund läuft. Zudem kann auch die Lautstärke geändert werden.
  • Benachrichtungen können angezeigt werden

Die Benachrichtungen selbst können in den Einstellungen auch abgeschaltet werden für den Sperrbildschirm, da dies durchaus Verletzungen der Privatsphäre bedeuten können, wenn kein Kennwort eingegeben werden muss und man dennoch Benachrichtungen bekommt.

Insgesamt sinnvolle Änderungen, die sich dem mobilen Markt anpassen, welche bereits viele Informationen auf dem Sperrbildschirm anzeigen. Die angezeigten Informationen können allerdings noch ausgebaut werden. So wären eine Anzeige von den nächsten Terminen aus dem Kalender oder auch Wetterinformationen sicher interessant, zumindest optional in den Einstellungen. Ein entsprechendes Konzept an dem bei elementary gearbeitet wird, kann man hier sehen.

Man realisiert den Sperrbildschirm mit einer Art Jalousie, d.h. sie wird heruntergezogen bei Sperrung und zum Entsperren muss man diese nach oben ziehen. Dies bewirkte ein wenig Ärger, da man zu Recht auch der Meinung ist, dass man das gleiche Ereignis auch realisieren könnte, sobald man eine Taste drückt.

Verbesserte Eingabemöglichkeiten

Bisher war es schwierig bei Eingabe von alternativen Sprachen, wie z.B. Japanisch unter Gnome. Man musste meist auf ein Add On vertrauen, welches unter Umständen nicht gut funktionierte und meist schlecht in das System integriert war. Dies gehört nun der Vergangenheit an, denn man integriert die Eingabesprachen direkt in Gnome 3.6. Um es übersichtlich zu halten, wählt man in den Systemeinstellungen die Sprachen aus, die im Dialog auswählbar sein sollen. Dies soll jedoch erstmal die Grundlage für weitere Entwicklung in der Richtung sein, laut Allan Day ist die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen.

Funktionen zur Barrierefreiheit standardmäßig vorhanden und aktivierbar

Wie man im Screenshot sehen kann, ist es ab Gnome 3.6 zu jeder Zeit möglich verschiedene Optionen der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen leicht zu aktivieren. Benötigt man beispielsweise schnell irgendwo eine Möglichkeit für das vorlesen des Bildschirminhalts, kann man dies sehr einfach über das Menü aktivieren.

Moderneres Aussehen für GTK2 Programme

Firefox, LibreOffice oder Gimp sind Programme, die leider noch auf die alten Bibliotheken von GTK2 setzen und sehen daher nicht so gut aus, wie man das von den nativen Programmen ab Gnome 3 kennt. Dem hat sich nun Jack -Scionicspectre- Gandy angenommen, der ein Desktop Thema namens Adwaita {http://scionicspectre.deviantart.com/#/d5172ch } erstellt, wovon die Programme mit den älteren Programmen deutlich profitieren.

Aber auch für native GTK3 – Anwendungen kamen zahlreiche kleinere Verbesserungen hinzu, z.B. ein dunkleres Standard-Thema, welches gut ausschaut.

Aktualisierungen der Standardanwendungen

Die meisten Anwendungen erfuhren Verbesserungen. Ein Hauptschwerpunkt lag hier vor allem bei Files (ehemals Nautilus). Neue Funktionen sind folgende:

  • Deutlich verbesserte Suche: Ergebnisse werden nun in Echtzeit, ähnlich Eingaben bei der Gnome Shell angezeigt
  • Losgelöste Tabs: Ähnlich wie man es z.B. aus Chrome kennt, kann man nun die einzelnen Tabs per Drag & Drop herausziehen und der Tab wird in einem neuen Fenster geöffnet.
  • Neue Möglichkeiten bei der Auswahl von Dateien: Wählt man mehrere Dateien aus existiert nun die Option, alle Elemente in einen neuen Ordner zu verschieben.

Allerdings gab es auch einige Kritik, da einige Funktionen entfernt wurden, u anderem die Baumansicht, oder mehr als eine Ansicht zu öffnen. Daher gibt es bereits eine Abspaltung namens Nemo, die von Linux Mint betreut wird und auf der Version 3.4 basiert.  Weitere Funktionen findet man auch bei mclasen.

Auch wenn die Änderungen bei Files am Größten waren, gab es fast überall Anpassungen. So hat zum Beispiel der Messenger Emphaty eine verbesserte Oberfläche bekommen und integriert sich besser in die Gnome Shell.

Die Gnome Online-Accounts sind erweitert worden um auf Microsoft Exchange zuzugreifen.
Leider hat der der Webbrowser Epiphany keine WebKit2 Implementierung erfahren, dies wurde auf Gnome 3.8 verschoben, wie man der Roadmap entnehmen kann.  Ursprünglich war es bereits in Gnome 3.6 geplant, jedoch fehlen noch einige Funktionen um es bereits jetzt zu veröffentlichen.

Kurzer Ausblick auf Gnome 3.8

Natürlich warten wir erstmal die Veröffentlich von Gnome 3.6 ab, dennoch gibt es bereits Pläne, bzw. werden erste Wünsche gesammelt, die in Gnome 3.8 Einzug halten sollen.
Auf der Webseite finden sich derzeit vier Themen, die zumindest diskutiert werden.

Das erste davon ist der sogenannte Fallback-Modus, der aktiviert wird, falls die Grafikkarte nicht die Desktopeffekte und ähnliches unterstützt. Man bekommt damit eine vereinfachte Ansicht ausgeliefert, die aber weniger Funktionen enthält. Dieser soll aber entweder in kommenden Versionen entfernt werden, oder deutliche Verbesserung bekommen. Bisher wurde er nach Einführung kaum getestet und es findet sich auch niemand der ihn weiterentwickeln möchte. Zudem funktionieren zukünftig viele Programme (Videos, Cheese usw.) nicht mehr.

Die nützlichen Gnome Shell Erweiterungen sollen einen automatischen Updatemechanismus bekommen und eventuell auch entfernt werden, wenn diese aus dem Katalog entfernt worden sind.

Vergrößerungen des Textes mit der Lupe sollen unabhängig von einem Vorlesen des Bildschirminhaltes sein. Bisher baut die Lupe auf der Vorlesefunktion auf und man musste beides installieren. Dies soll zukünftig auch unabhängig funktionieren, da man nur selten beide Funktionen gleichzeitig benötigt.

Videos (eher bekannt unter Totem) soll eine Überarbeitung der Oberfläche bekommen, da es noch auf der alten Generation von Programmen aufbaut. Sehr interessant sind die veröffentlichten Screenshots auf World of Gnome, wie es zukünftig aussehen soll.

Patrick Meyhöfer

Ich liebe gute Software, die auf gut funktionierender Hardware läuft. Egal ob mobil oder am Desktop-OS. Früher nutzte ich fast ausschließlich Open-Source-Software, mittlerweile ist es ein Mix zwischen Mac und Linux - beide Welten haben ihre Vorzüge.

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7 Antworten

  1. Sol sagt:

    Ich bin ja richtig gespannt, wie welche Tools in Unity landen. Was ich schade finde, dass Gnome die Tools so benennt. Bei Problemen mit einem Programm, hat man dann doch kaum eine Chance mehr in der Suchmaschine seines vertrauens Hilfe zum Programm zu finden.

    Wobei. Weiss einer wie das Gnome Hilfesystem sich entwickelt hat?
    Ich träume ja schon länger von der Möglichkeit, das ein Programm die Hilfe nicht nur Online in ein Handbuch sondern darin eingebunden auch gleich ein lokalisiertes Forum bietet. Vieleicht in zusammenarbeit mit einer Lokalen Kommunity wie ubuntuusers.de.

    Beispiel: http://help.solidworks.com/2013/English/SolidWorks/sldworks/c_introduction_toplevel_topic.htm

  2. V sagt:

    Ist mit Baumansicht in Nautilus die Ansicht in der linken Seitenleiste gemeint oder die Ansicht, die man für die Dateien generell hat?
    Letzteres würde mich sehr enttäuschen, da das für mich das Killerfeature von Nautilus überhaupt ist.

  3. AlphaX2 sagt:

    Gibt es denn irgendwo Nightly-Snapshots als LiveCD mit dem neusten Gnome? Ich würde nur ungern ein System aufsetzten wollen um es dann mit einem bleeding-edge Repo zu zerballern. ^^

    Danke!

    AlphaX2

  1. 17. September 2012

    […] Ich habe ja bereits das ein oder andere Mal über Neuerungen in der aktuellen GNOME-Entwicklerversion 3.6 berichtet. GNOME 3.6 soll am 26. September veröffentlicht werden. Bis dahin sind es noch ein paar Tage. Im Blog Softwareperlen fasst der Autor die Neuerungen allerdings sehr übersichtlich zusammen, sodass ihr euch bereits vorab ein Bild der neuen Version machen könnt: Gnome 3.6 – Welche Neuerungen erwarten uns? […]

  2. 11. Oktober 2012

    […] gefällt mir deutlich besser und zwar die Benachrichtigungen (hatte ich vor einiger Zeit einmal vorgestellt). Für die kommende Version arbeiten die Entwickler nun daran, dass diese besser über den Benutzer […]

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