Aptana Studio – Eine leistungsfähige Web-Entwicklungsumgebung

Es ist leider schon eine ganze Weile sehr ruhig hier im Blog gewesen, was unter anderem daran lag, dass ich mich zum einen in den Endprüfungen meines Studiums befand und direkt danach mich mit mehreren Auslandsaufenthalten umhergeschlagen habe, wo meine Zeit arg begrenzt war.

In der Zwischenzeit habe ich noch einen weiteren Artikel in freiesMagazin veröffentlicht zum Thema Webentwicklung, den ich hier noch einmal im Blog unterbringen möchte. Neue Artikel folgen dann in den nächsten Tagen, nachdem es meine Zeit nun wieder zulässt.

Aptana Studio – Eine leistungsfähige Web-Entwicklungsumgebung

Jeder der sich im Laufe der Zeit mit Webentwicklung ernsthafter beschäftigt, kommt einmal an den Punkt, bei dem man sich überlegt professionellere Entwicklungswerkzeuge einzusetzen, die einem die Arbeit erleichtern.
Ein sehr mächtiges Programm für die Webentwicklung stellt hierfür Aptana Studio (im Folgenden nur noch kurz: Aptana) bereit, welches zum Teil als echte freie Alternative zu Adobe Dreamweaver gesehen werden kann.

Allgemeines und Installation

Der große Vorteil von Aptana liegt in der Plattformunabhängigkeit, da es auf der populären Entwicklungsumgebung Eclipse aufsetzt (lediglich eine Java-Laufzeitumgebung wird benötigt).
Für die Installation gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. Entweder man nutzt auf der Downloadseite die sogenannte Standalone Version oder man lädt sich ein Eclipse-Plugin (aktuell benötigt man die Version 3.5 oder höher) herunter.
Sofern man mit weiteren Programmiersprachen in Eclipse entwickelt bietet sich das Plugin mehr an, da man dann sehr einfach mit seinen gewohnten Einstellungen direkt weiterarbeiten kann. Dies kann, wie alle Plugins in Eclipse, direkt über Help > Install New Software installieren.
Aptana ist mit zwei verschiedenen Lizenzen versehen, u.a. der GPL v3 und der eigens geschaffenen Lizenz Aptana Public Licence. Als Gründe nennt Aptana die Freiheit für die Entwickler, wenn einmal die GPL v3 nicht die optimale Lizenz sei.

Die Oberfläche von Aptana Studio
Die Oberfläche von Aptana Studio

Funktionen

Durch die enge Verzahnung mit Eclipse bietet Aptana auch dessen grundsätzliche Funktionalitäten und Komfortmöglichkeiten.
So sind beispielsweise Code-Vervollständigung, Syntax-Hervorhebung, automatische Schließung von geöffneten Tags oder ein Debugger direkt integriert.

In der letzten aktuellen Version 3.04 vom 15.08.11 bietet Aptana  die Integration der neuesten HTML 5 und CSS 3 Spezifikationen mit, die es somit erlauben die modernen Fähigkeiten der Browser auszunutzen.
Zu den unterstützen Sprachen von Aptana zählen:

  • Javascript (mit vielen zusätzlichen Bibliotheken wie jQuery, Adobe Spry u.v.m.)
  • Ruby
  • Rails
  • PHP
  • Python

Besonders praktisch gestaltet sich die gute Unterstützung durch den implementierten FTP-Client, der u.a. auch SFTP und FTPS unterstützt.
Möchte man z.B. einige schnelle Änderungen an einer Webseite machen ruft man die Datei über den Projektexplorer normal auf, die Datei wird per FTP vom Server übertragen und nach dem speichern direkt auf den Webserver synchronisiert, wodurch man nicht ständig Tools wie Filezilla u.a. einsetzen muss.

Intergrierter FTP-Client
Intergrierter FTP-Client

 

Zusätzlich bietet Aptana die Möglichkeit verschiedene Versionskontrollsysteme, wie Git oder SVN zu nutzen.
Auch ein eigener lokaler Webserver kann für die Entwicklung und den Test von Webentwicklungen eingebunden werden, ebenso besitzt Aptana aber auch einen eigenen Open Source Webserver mit dem Namen Aptana Jaxer, der sich insbesondere für Ajax-Anwendungen eignet und auf der Mozilla Gecko Engine basiert.
Für weitere Informationen liegt auch eine umfangreiche Dokumentation vor.

Code-Vervollständigung bei HTML-Tags
Code-Vervollständigung bei HTML-Tags
CSS-Code-Vervollständigung mit Anzeige unterstützter Browserversionen
CSS-Code-Vervollständigung mit Anzeige unterstützter Browserversionen

 

Direkte Möglichkeit  Dokumentationen wie z.B. für CSS aufzurufen
Direkte Möglichkeit Dokumentationen wie z.B. für CSS aufzurufen

 

Tipps für den praktischen Alltag

Eine extrem gute Erleichterung bei der Nutzung von Aptana stellt die Unterstützung von Zen Coding dar. Zen Coding ist ein Plugin, welches es ermöglichen soll, durch Eingabe kurzer Abkürzungen vollständigen, syntaktisch korrekten Code zu erzeugen. Als Beispiel sei hier auf ein Übersichtsblatt vom Entwickler auf Google code für die einzelnen Befehle hingewiesen.
Zen Coding lässt sich wie auch das Aptana-Plugin über die Erweiterungsschnittstelle von Eclipse installieren, nähere Informationen zur Installation liefert die Seite des Plugin-Entwicklers.

Das ganze zeigt sich klarer an ein paar Beispielen:

Gibt man ein reserviertes HTML-Tag ein, z.B.

span

und drückt die Tab-Taste wird dies automatisch zu

<span> </span>

ergänzt.

Möchte man zusätzlich eine ID vergeben, ist dies mit einer nachgestellten Raute (wie das Tag auch in CSS angesprochen wird) möglich, aus div#header wird demzufolge
<div id”header”> </div> (Bei Klassen funktioniert das selbe Prinzip mit einem .  ).

Ebenfalls sehr gut gelöst ist die mögliche Multiplikation von Elementen, die zusätzlich mit den vorangegangenen Methoden kombiniert werden können. Gibt man z.B. ein:

ul#nav>li*4

wird daraus:

<ul id=“nav“>

<li></li>
<li></li>
<li></li>
<li></li>

</ul>

Einige weitere Beispiele und weitere Kombinationsmöglichkeiten kann man sich hierzu auch auf Youtube ansehen.

Aus eigener Erfahrung hat sich gezeigt, dass es eine enorme Zeitersparnis bedeutet, sofern man sich erstmal mit der Syntax der Abkürzungen vertraut gemacht hat.

Mögliche Alternativen

Auch wenn Aptana ein reichhaltiges Angebot an Funktionalitäten bietet, ist es nur ein Angebot von einigen guten Alternativen unter Linux. So ist ein häufiger Kritikpunkt an Aptana, dass es zu lange bei Programmstart braucht bis es einsetzbar ist und es zu viele Ressourcen benötigt im Gegensatz zu einem leichtgewichtigen Editor. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es auf Eclipse und Java mit ihrem vielseitigem Funktionsumfang aufsetzt.

Daher seien hier ein paar empfehlenswerte und leichtgewichtigere Alternativen genannt, die i.d.R. alle über die Paketverwaltung installiert werden können oder bereits in den Distributionen vorinstalliert sind:

  • die Standardeditoren Gedit und Kate bieten viele gute Funktionen, wie Syntax-Hervorhebung von Haus aus an
  • Geany – leistungsstärker als Gedit und Kate, u.a . mit Code-Vervollständigung und Template-Unterstützung
  • Bluefish – enthält umfangreiche Funktionen, z.B. Assistenten, Dokumentationen zu PHP, CSS etc, und der Zugriff über FTP ist möglich
  • Quanta Plus – sticht besonders durch die Möglichkeit nach dem WYSIWYG-Prinzip Webseiten zu erstellen hervor, d.h. ohne großartige Kenntnisse eine Webseite zu erstellen
  • vim – gewöhnungsbedürftig, aber mit den richtigen Plugins eine mächtige Alternative
  • Notepad++ – leider nur für Windows

Einen umfangreicheren Test hat hierzu Frank Brunner auf seinem Blog veröffentlicht.

Fazit

Ein wesentlicher Grund für Aptana war für mich, neben der großen Vielfältigkeit an Funktionen und Anpassungen an die persönlichen Bedürfnisse, die Plattformunabhängigkeit, um auf allen Systemen die gleiche vertraute Entwicklungsumgebung zu besitzen.
Wer sich mit Eclipse wohlfühlt, der wird sich auch sehr schnell in Aptana zurechtfinden, dennoch muss jeder für sich die passende Lösung suchen, wodurch ein Blick auf die Alternativen stets eine Option sein sollte.

Der Artikel bzw das komplette empfehlenswerte Magazin kann hier heruntergeladen werden.

Veröffentlicht von

Patrick Meyhöfer

Ich liebe gute Software, die auf gut funktionierender Hardware läuft. Egal ob mobil oder am Desktop-OS. Früher nutzte ich fast ausschließlich Open-Source-Software, mittlerweile ist es ein Mix zwischen Mac und Linux - beide Welten haben ihre Vorzüge.

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