Heute erscheint endlich Ubuntu 12.10 Quantal Quetzal und viele werden sich fragen ob sich ein Upgrade für sie lohnt. Ich nutze schon seit der ersten Beta Ubuntu 12.10 und bin relativ zufrieden, das System läuft stabil und mir sind keine größeren Bugs mehr aufgefallen. Wer sich für die wichtigsten Neuerungen interessiert kann sich einmal meinen Eindruck aus der Beta 2 näher anschauen. Hier soll es mehr darum gehen die Argumente für oder gegen einen Wechsel aufzuzeigen.
Beginnen wir zunächst mit den Pro-Argumenten:
Unity wurde konsequent weiterentwickelt und die Vorschau, die man über einen Rechtsklick bekommt macht einen netten Eindruck. Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird die Gwibber-Lense mögen. Sofern man entsprechende Online-Konten, wie Twitter, Facebook oder Google in Ubuntu hinzugefügt hat, bekommt man entsprechende Tweets, Facebook-Einträge & Co dort aufgelistet. Hier kann man auch direkt Aktionen starten, wie auf einen Tweet antworten, favorisieren und ähnliches.
Ebenfalls gefällt die Möglichkeit, dass man direkt Software mit der Vorschau aus Unity installieren kann, ohne den Umweg über das Softwarecenter gehen zu müssen, welches immer noch recht träge ist.
Die Ubuntu Web Apps sind mein persönliches Highlight:
Die Verschmelzung der unterschiedlichsten Internetdienste, wie YouTube, Facebook, Twitter, Picasa & Co ist ein interessanter und guter Ansatz. Zumindest im privaten Bereich hat sich dies für mich als praktisch erwiesen, wer Ubuntu auch beruflich nutzt oder diese Webdienste nicht nutzt, wird hier natürlich diese Vorteile nicht nutzen können. Gerade wer viel auf Youtube unterwegs ist, kann neue Videos sehr einfach über das Sound-Menü anhalten, gerade bei Playlists fand ich es recht nützlich nicht immer erst wieder in den Youtube-Tab wechseln zu müssen.
Für den einen oder anderen ist die Funktion des Remote Login direkt aus der Anmeldemaske heraus eventuell interessant, die ich hier einmal kurz beschrieben habe, die in Ubuntu 12.10 Einzug erhält und weiter ausgebaut werden soll. Auch hier findet die Verwaltung der Daten über den Ubuntu eigenen Online-Dienst Launchpad statt, bei dem man die entsprechenden Serverdaten verwaltet.
Zusätzlich erhalten wir selbstverständlich wieder eine ganze Reihe an aktualisierter Software, neue Linux-Kernel etc. Als kurzes Fazit sieht man in der neuesten Ubuntu-Version insbesondere eine Verschiebung neue Wege zu gehen und konsequent den klassischen Desktop mit der Online-Welt zu verschmelzen. Hier ist man auf einem guten Weg, der sicher mit den kommenden Versionen ausgebaut und verbessert werden wird.
Leider gibt es auch ein größeres Contra-Argument:
Die Einführung der Amazon-Shopping-Linse, die zu Beginn äußerst ungünstig kommuniziert und auf Verlangen von Shuttleworth kurzfristig in die 2. Beta-Version Einzug erhielt. Standardmäßig immer aktiviert, blendet es entsprechende Ergebnisse aus der Home-Lense in Unity unter weitere Vorschläge ein. Inzwischen gibt es einen entsprechenden Hinweis auf die rechtlichen Bestimmungen, kann über die Oberfläche unter Privatsphäre abgeschaltet werden (allerdings werden dann alle Online-Suchergebnisse abgeschaltet, z.B. Youtube, Google Docs & Co), Filter für kritische Suchen und wird über verschlüsselte Anfragen geleitet.
Als letztes Mittel kann jeder über die Konsole mittels
sudo apt-get remove unity-lense-shopping
das entsprechende Paket entfernen. Prinzipiell habe ich meine Meinung im oben verlinkten Beitrag schon geäußert, für viele kann dies allerdings ein Grund sein, auf Ubuntu 12.10 zu verzichten.
Ebenfalls kritisch wird den Benutzern die relativ forschende Aufforderung zum Spenden auffallen, sobald man auf der offiziellen Ubuntu Seite einen Download starten möchte.
In einer aktuellen Deimhart-Episode (sehr empfehlenswerter Podcast) wurde dieses Thema, sowie die Shopping-Lense von langjährigen Community-Helfern stark kritisiert, die Kommentare darunter kann man sich durchaus auch einmal durchlesen.
Kommen wir zu meiner persönlichen Einschätzung, ob sich ein Umstieg lohnen wird. Dies ist wie immer zuerst abhängig von eurem Anwendungsgebiet. Beruflich würde ich definitiv auf Ubuntu 12.04 bleiben, alleine schon wegen dem LTS-Charakter und der langen Unterstützung mit Sicherheitsaktualisierungen seitens Canonical. Aber auch im privaten Umfeld würde ich den meisten wohl raten bei der alten Version zu bleiben, sofern einen die neuen Funktionen nicht besonders interessieren. Insbesondere wer seinen klassischen Desktop behalten möchte und die Web Apps nicht braucht, wird keine bahnbrechenden Neuerungen erleben. Wer immer auf die neuste Version möchte, wird aber auch nicht enttäuscht. Ubuntu wird beständig weiterentwickelt, insbesondere auch Unity. Selbst wer nicht mit Unity warm wird, findet alle Aktualisierungen von Gnome 3.6, die er einfach über das Softwarecenter einspielen kann.
Generell würde ich allerdings empfehlen, dass ihr für ein Produktivsystem so lange abwartet, bis mehr Erfahrungsberichte im Ubuntuusers-Forum aufgelaufen sind und diese nach dem Release noch gefixt werden. Wer jetzt nicht mehr abwarten kann, muss für heute folgende Schritte zum Update durchführen:
- In den Systemeinstellungen unter Software-Paketquellen müsst ihr im Reiter Updates ganz unten die Dropdown-Liste umstellen, dass ihr über jede neue Version benachrichtigt werden wollt. Standardmäßig werdet ihr unter 12.04 sonst keine Aktualisierungsinformation bekommen, da dies erst für die nächste LTS Version gelten würde.
- Gebt in der Konsole ein: update-manager -d
- Anschließend bekommt ihr den Dialog zum aktualisieren. Bedenkt, dass dies heute relativ lange dauern kann, je nach Ansturm.

